Zurück zur vorherigen Seite

Silke - auch im Alter offen und abgeschlossen für alles

Und es begab sich zu jener Zeit, als unsere Heldin Silke schon viele, unendliche Jahre in Algebra City zugebracht hatte, in der sie u.A. die Körperisomorphismen gehegt und gepflegt hatte, Tag aus, Tag ein.

Das Glück, das ihr in ihrem bisherigen Leben widerfahren war wuchs und wuchs mit den Jahren, ja man könnte fast sagen, es wuchs sogar exponentiell. Unsere Heldin hatte bisher alles erreicht was sie zuwege bringen wollte, hatte eine wundervolle Familie mit Ehepartner und ihren Kindern Einstein-Junior und Sophia (Anm. d. Autors: Sophia Kowalewskaja war die erste promovierte Mathematikerin der Welt), ja sie hatte es sogar geschafft die Vermutung von Hodge zu beweisen und erntete dafür viel Anerkennung von allen Seiten. Doch die Jahre vergingen und nun, im Jahre 2045, Silke wurde ja leider auch nicht jünger, setze auch langsam der Zerfall ein. Streng monoton fallend wurde ihr Leben und sie suchte nach einer neuen Beschäftigung. Da gab ihr ihr langjähriger Freund und Begleiter Johann von Kloos einen Rat: „Gehe hinaus ins weite Matheland und erzähle den Leuten von deinem Leben, auf dass sie sich ein Beispiel nehmen, dass man (Frau natürlich auch *g*) alles erreichen kann wenn man nur will.

Ja, und so kam es auch, denn Silke verstand es vorzüglich die Faszination des Einen Ringes, den ihr der Herr der Ringe in ihrer Kindheit gab, weiterzugeben an alle die es hören wollten. Unter ihren Zuhörern trug sie seid jener Zeit den vortrefflichen Titel: „Erklärbär“. Bären waren im Matheland hoch angesehen, da das Sternbild des großen Bären vom Matheland aus betrachtet so viel größer und schöner erstrahlte, wie sonst nur vom Äquator aus. Fast schien es den Mathländern und Mathländerinnen so, als ob allein dieses eine Sternenbildnis seine Proportionen nur für ihre Augen optisch vergrößert erschienen ließ um seine Pracht und Herrlichkeit nur ihnen preiszugeben. Unsere Heldin trug den Titel mit Stolz und erzählte tagtäglich von ihrem spannenden Leben.

Und so kam schließlich was kommen musste. Die Geschichte des Ringes und seine abenteuerliche Reise mit Silke, die ihn in sicheres Terrain brachte, wurde von einem pfiffigen Regisseur namens Ron Howard (Anm. d. Autors: Regisseur von „A beautiful mind“) aufgegriffen und sollte verfilmt werden. Allerdings stellte die filmische Umsetzung an Silke eine Bedingung: Das Ende sollte komplett verändert werden. Um es Wahrscheinlichkeits- und FuTheo-tauglich zu machen und die Spannung zu erhöhen sollte der Ring am Ende in den gefürchteten Bergen von Tortelloni versteckt werden, damit ihn kein Analytiker der Welt finden könne. Dazu müsste es tief in das Innere des Berges gebracht werden und den Weg dorthin müsste Silke sich erst frei essen, sich regelrecht in den Berg nagen.

Silke war damit aber ganz und gar nicht einverstanden, denn sie hasste diese Berge mehr als alles andere auf der Welt, doch sie verstand, dass dieser Film darüber bestimmen würde, ob sie ihre Glücksträhne im Leben weiterhin anhalten würde oder nicht. Sie hatte also zwei Wege zu Auswahl: Sollte sie voll und ganz diesen Film so drehen oder ihr Leben ab nun als leere Menge fristen. Unsere Heldin befand sich in einer Zwickmühle. Ihre offene und zugleich abgeschlossene Art bot ihr nur diese zwei Möglichkeiten, was sollte sie also tun? Zum Glück hatte sie auf ihren Reisen durch das Matheland auch viele hilfreiche, freundliche Leute kennen gelernt. So wand sie sich schließlich an die weise Schamanin Anne, die Silke mit ihren klugen Ratschlägen schon einige Male beeindruckt hatte und auch schon die Scheidung von Majestät Sarah geregelt hatte (Anm. D. Autors: Wer kam auf die bekloppte Idee sich selbst zu heiraten?). Alsbald sprach die kluge Anne zu unserer Heldin: „Tue das, was dir am logischsten erscheint. Hör auf dein Herz und du wirst das richtige wählen.“.

Da wusste unsere Heldin plötzlich was zu tun war. Sie musste ihre Angst vor den Tortellonis besiegen und die Berge besteigen um nicht die Hauptrolle, im Film über ihr Leben, an jemand anderen abtreten zu müssen. Tapfer wie Bären nun mal sind fraß sie sich unsere Erklärbärin in den Berg (frei nach dem Motto „Der Hunger treibts nunner.“) und spielte sich selbst so perfekt, dass selbst der Regisseur von ihren schauspielerischen Talent fasziniert war und ihr weitere Rollen in großen Produktionen anbot. So war das Leben der Silke Spang weiterhin vom Glück geleitet, denn der Film und andere die noch folgten wurden natürlich ein voller Erfolg.

Einige Jahre später lies sich Silke sogar noch dazu hinreißen anlässlich ihres 90. Geburtstag alle Freunde, die ihren Weg bisher begleiteten, einzuladen und sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Sie wollte, und tat es dann auch, einen Sketch aus ihrer Kindheit nachspielen: „Der 90.Geburtstag oder Dinner for one“, in den Hauptrollen: Silke als Miss Sophie und Johann als Butler James (natürlich nur mit antialkoholischen Flüssigkeiten). Ihre letzten Jahre verbrachte unsere Heldin glücklich und zufrieden in Kreise ihrer geliebten Ringe, Körperisomorphismen und natürlich mit ihren Freunden.

Und wenn sie nicht gestorben ist, dann löst sie bestimmt immer noch homogene und inhomogene lineare Gleichungssysteme, so wie alte Frauen ihre Kreuzworträtsel lösen.
- The End -

Zurück zur vorherigen Seite